Sonderheft “Führungsforschung” der ASU – Zeitschrift für medizinische Prävention

Erste Ergebnisse des BAuA-Projekts “Führung und Organisation im Wandel”

Führungsverhalten steht je nach Ausprägung positiv oder negativ mit dem Wohlbefinden und der Gesundheit von Beschäftigen im Zusammenhang. Wie eine Führungskraft agiert, hängt unter anderem auch von den Rahmenbedingungen in der Organisation ab – von Strukturen, Klima und Organisationskultur. In dem Projekt “Führung und Organisation im Wandel” geht die BAuA daher unter anderem der Frage nach, welchen Einfluss die Rahmenbedingungen der Organisation auf die Arbeitsbedingungen der Führungskräfte, ihr Führungsverhalten, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Führungskräfte selbst sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Der vorliegende Bericht adressiert in diesem Zusammenhang diverse Lücken in der Forschung.

Zur begrifflichen Einordnung definieren wir zunächst strukturelle Aspekte als objektivierbare Merkmale einer Organisation (u.a. Größe, Branche, Aufbau- und Ablauforganisation). Klima verstehen wir als die geteilte und bewusste Wahrnehmung von Praktiken und Prozeduren in einer Organisation. Angelehnt an Schein (2017) verstehen wir Kultur als die von den Organisationsmitgliedern geteilten, aber impliziten Überzeugungen und Werte. Eine theoretische Einordnung von Fragestellungen, die sich simultan auf mehrere Ebenen der Organisation bezieht, wird aufbauend auf organisationsbezogenen Theorien und solchen, die den Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Individualauswirkungen betrachten, in einem für unsere Studien relevanten Forschungsmodell adressiert.

Auf Basis eines systematischen Literaturreviews und eines repräsentativen Datensatzes mit kombinierten Betriebs- und Beschäftigtendaten kann erwartungsgemäß gezeigt werden, da ss positive Klimata mit hohen Ausprägungen von Gerechtigkeit oder Unterstützung der Beschäftigtengesundheit zuträglich sind. Negative Klimata, die etwa geprägt sind durch Diskriminierung, wirken demgegenüber beeinträchtigend. Die wenigen existierenden Studienergebnisse zum Zusammenhang von Kultur und Gesundheit können als Hinweise gewertet werden, dass unterschiedliche Kulturtypen zu förderlichen Ergebnissen für die Beschäftigten führen können. Die Studienlage zu Zusammenhängen struktureller Merkmale und den interessierenden Outcomes war sehr heterogen. In den meisten Fällen waren die Befunde unklar.

Im Rahmen der Sekundärdatenanalyse konnte gezeigt werden, dass sich Führungskräfte im Vergleich zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung gesünder zu fühlen scheinen. Im Hinblick auf den Zusammenhang organisationaler Charakteristika mit Gesundheit konnte festgestellt werden, dass das reine Vorhandensein potenziell gesundheitsförderlicher Strukturen (Gesundheitsförderung, regelmäßige Mitarbeitergespräche) erst einmal nicht mit Gesundheit im Zusammenhang steht. Das Klima und die Arbeitsbedingungen hingegen weisen einen sehr klaren Zusammenhang mit Mitarbeitergesundheit auf. Interessanterweise ist die für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesundheitsförderliche soziale Unterstützung für die Führungskräfte selbst scheinbar durchaus eine Belastung, die mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergeht. Die festgestellte hohe Bedeutung von Klimaaspekten für die Gesundheit der Beschäftigten lässt sich auch als “gelebte Unterstützungsstruktur” interpretieren.

Bibliografische Angaben

Sonderheft “Führungsforschung” der ASU – Zeitschrift für medizinische Prävention. Erste Ergebnisse des BAuA-Projekts “Führung und Organisation im Wandel”
in: Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin : ASU, Zeitschrift für medizinische Prävention, Volume 55, Ausgabe Mai 2020 Stuttgart: Gentner Verlag 2020. Seiten 1-44, Projektnummer: F 2436

Zahlen und Fakten zur gefährlichen Altlast Asbest

Nationales Asbest Profil für Deutschland aktualisiert

Ausgabe 17/20
Datum 11. Mai 2020

Dortmund – Trotz eines umfassenden Verbots im Jahr 1993 sterben jährlich etwa 1.500 Menschen an den Folgen einer Berufskrankheit durch Asbest. Zwischen 2001 und 2016 fielen schätzungsweise 6,3 Millionen Tonnen asbesthaltiger Abfall an. Über 100.000 Beschäftigte arbeiten auch heute noch mit dem Risiko, Asbest ausgesetzt zu sein. Dies sind nur einige aktuelle Zahlen aus dem Nationalen Asbest Profil Deutschland, das die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jetzt in zweiter aktualisierter Auflage veröffentlicht hat.

Um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, informieren nationale Asbest Profile über die Asbestsituation in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation. Dazu geht das Nationale Asbest Profil auf die Aspekte wie Asbestverbrauch und -verwendung, die Anzahl der Exponierten, das mit Asbestfasern verbundene Erkrankungsgeschehen, das System zur Regulierung der Asbestrisiken und die ökonomische Belastung durch Asbesterkrankungen ein.

Asbest ist ein Naturstoff, der als “Mineral der tausend Möglichkeiten” vor über 100 Jahren in industriellen und verbrauchernahen Bereichen Verwendung gefunden hat. Asbestprodukte wurden in Deutschland zumindest bis Anfang der neunziger Jahre vor allem im Baubereich verwendet.

Im Jahr 2017 verstarben laut nationalem Asbest Profil rund 1.600 Berufserkrankte, weil sie asbesthaltigen Stäuben ausgesetzt waren. Insgesamt starben zwischen 1990 und 2017 über 34.000 Menschen an den Folgen des Minerals. Die Kosten für die medizinische Versorgung und Rentenzahlung für Asbesterkrankte und deren Angehörige lagen in den Jahren 1990 bis 2016 bei etwa 8,3 Milliarden Euro.

Etwa 650.000 Beschäftigte waren Ende 2017 in Deutschland aktuell oder in der Vergangenheit Asbest ausgesetzt. Von rund 100.000 Beschäftigten ist bekannt, dass sie potenziell bei ihrer Arbeit im Bauhandwerk oder bei der Abfallentsorgung mit Asbest in Berührung kommen können. Schätzungsweise sind immer noch über 37 Millionen Tonnen asbesthaltiges Material verbaut, meist in Form von Asbestzement. Insbesondere beim Abriss oder Umbau von Gebäuden kann Asbest freigesetzt werden. Eine besondere Problematik stellen dabei die Arbeiten an verdeckten asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern dar. Sie könnten unter Umständen ohne die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Hier sind vor allem die rund 750.000 Handwerker im Ausbaugewerbe betroffen. Das Profil geht deshalb auch auf die Toleranz- und Akzeptanzkonzentration für Asbestfasern ein und führt die aktuellen Regelungen zum Schutz der Beschäftigten auf.

“Nationales Asbest Profil Deutschland”; 2. Auflage; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2020; 78 Seiten; doi:10.21934/baua:bericht20200427. Eine Version im PDF-Format gibt es zum Herunterladen auf der BAuAWebsite unter der Adresse www.baua.de/dok/8837348.

Forschung für Arbeit und Gesundheit

Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.

baua: Aktuell 1/20: Digitale Arbeitswelt gestalten

Digitale Arbeitswelt birgt Chancen und Risiken

Ausgabe 16/20
Datum 7. Mai 2020

Dortmund – Homeoffice, Videokonferenzen oder E-Learning, die Digitalisierung gewinnt während der derzeitigen Corona-Epidemie an Bedeutung. Moderne Kommunikations- und Informationstechnologie sorgt beispielsweise dafür, dass berufliche, aber auch soziale Kontakte erhalten bleiben. Doch neben Chancen kann die Digitalisierung mit Risiken verbunden sein. Die neue Ausgabe der baua: Aktuell gibt in ihrem Schwerpunkt Einblicke in die aktuelle Forschungsarbeit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf diesem Gebiet. Hier beschäftigt sich ein interdisziplinäres Schwerpunktprogramm intensiv damit, Erkenntnisse und Standards der menschengerechten Gestaltung der Arbeit angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt weiterzuentwickeln.

Die vorliegende Ausgabe der baua: Aktuell stellt das Schwerpunktprogramm “Sicherheit und Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt” der BAuA vor. Ein Interview mit den Schwerpunktverantwortlichen zeigt Chancen und Risiken der Digitalisierung auf. Beispielhaft verdeutlichen Projekte die unterschiedlichen Aspekte des Programms. Dazu gehören das Monitoring der digitalen Arbeitswelt und der Wandel von Tätigkeiten ebenso wie die Aspekte Arbeitsschutz und Führung. Einzelne Beiträge werfen Schlaglichter auf Veränderungen bei den Tätigkeiten. Sie befassen sich mit der Interaktionsarbeit, der Mensch-Roboter-Interaktion und der Beanspruchung durch digitale Technologien.

Ein weiterer Artikel verdeutlicht, dass das Arbeitsschutzsystem neue Zugänge in der flexiblen, digitalen Arbeitswelt braucht, um wirksam zu bleiben. Zudem werden in der Ausgabe 1/20 der baua: Aktuell die relevanten Themenfelder für den Arbeitsschutz bezüglich künstlicher Intelligenz aufgearbeitet.

Die aktuelle Ausgabe gibt es – ebenso wie alle seit 2005 erschienenen Mitteilungen – kostenfrei auf der Internetseite der BAuA unter www.baua.de/publikationen.

Forschung für Arbeit und Gesundheit

Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.

Hilfe­stellung bei der Einstufung und Kenn­zeichnung von Hände­desinfektions­mitteln

Der REACHCLP-Biozid Helpdesk hat Musteretiketten entworfen, die als Grundlage für eine korrekte Etikettierung der Mittel dienen können.

Datum 5. Mai 2020

Im Rahmen der Allgemeinverfügung vom 09.04.2020 wurden 8 Rezepturen für Händedesinfektionsmittel befristet zugelassen. Von besonderer Bedeutung ist die Weitergabe von sicherheitsrelevanten Informationen auf den Etiketten.

Der Helpdesk hat daher Musteretiketten entworfen, die als Grundlage für eine korrekte Etikettierung der Mittel dienen können.