COVID-19 Infektionsrisiko in abwassertechnischen Anlagen

Nach derzeitigem Wissensstand ist eine Übertragung von COVID-19 über den Weg des Abwassers sehr unwahrscheinlich. Von einer Gefährdung für Beschäftigte in abwassertechnischen Anlagen in Zusammenhang mit dem Auftreten von COVID-19 ist laut aktueller Datenlage nicht auszugehen. Die Krankheit wird im direkten Kontakt mit Infizierten noch vor dem Einsetzen von Krankheitssymptomen durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen.

Beim derzeit eingesetzten PCR-Test werden einzelne DNA-Stränge vervielfältigt und mit der COVID-19 Virus-RNA abgeglichen. Aufgrund der hohen Spezifität des Tests kann damit treffsicher bestimmt werden, ob es sich beim untersuchten Virus auch tatsächlich um COVID-19 handelt und nicht um andere Erkältungsviren.

Mit dem PCR-Test ist COVID-19 auch im Stuhl sehr gut nachweisbar, wobei es aber nicht so aussieht, als wäre das dort mit PCR nachgewiesene Virus ein infektiöses Virus. Diese Schlussfolgerung ist möglich, weil man dieselbe Probe parallel auf eine Zellkultur geben kann und anschließend nachschaut, ob dieses Virus auch lebend anwächst. Dies tut es nach allen bisher veröffentlichten Untersuchungen nicht.

Nach einer am 01.04.2020 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie scheint die Infektiosität der COVID-19-Patienten insbesondere von der Viruslast im Rachen bzw. der Lunge abzuhängen, was darauf hindeutet, dass COVID-19-Erkrankte schon zu einem Zeitpunkt infektiös sein können, bevor sie überhaupt bemerken, dass sie krank sind.

Unabhängig von der im PCR-Test nachgewiesenen Konzentration der viralen RNA war in der Studie eine Virusisolierung aus Stuhlproben in keinem der untersuchten Fälle erfolgreich (basierend auf insgesamt 13 entnommenen Proben). Eine erfolgreiche Virusisolation hängt auch von der Viruslast ab: Ein weiteres Ergebnis war, dass Proben mit weniger als 106 Kopien/ml (oder Kopien pro Probe) niemals ein Isolat ergaben.

Aus diesen Gründen ist nach derzeitigem Wissenstand nicht von einer COVID-19-Infektion z. B. durch Austrag von Viruspartikeln über Aerosole aus Einsteigschächten von Kanalisationen auszugehen.

Dessen ungeachtet sind Schutzmaßnahmen, wie in der TRBA 220 “Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen” formuliert, zu beachten.